Jeder Buchmacher verdient an der Quote, noch bevor das Spiel angepfiffen wird. Die Marge ist in den Preisen eingebaut, auf deinem Wettschein steht sie nirgends. Wer sie ausrechnen kann, sieht in zehn Sekunden, ob ein Markt fair bepreist ist oder ob der Anbieter dort kräftig mitverdient.

Die Formel: Quoten in Wahrscheinlichkeiten übersetzen
Eine Dezimalquote ist der Kehrwert einer Wahrscheinlichkeit. Quote 2,00 entspricht 50 %, Quote 4,00 entspricht 25 %. Rechnest du die Kehrwerte aller Ausgänge eines Marktes zusammen, müssten genau 100 % herauskommen, wenn der Anbieter nichts verdienen würde. Alles, was darüber liegt, ist die Marge (im Englischen overround).
- Für jeden Ausgang 1 geteilt durch die Quote rechnen.
- Die Ergebnisse addieren.
- Die Summe minus 100 % ist die Marge. Der Kehrwert der Summe ist die Auszahlungsquote.
Rechenbeispiel: Dreiweg-Wette 1X2
Angenommen, ein Anbieter bietet für ein Bundesligaspiel diese Quoten an: Heimsieg 2,10, Unentschieden 3,40, Auswärtssieg 3,60.
| Ausgang | Quote | 1 ÷ Quote | Faire Wahrscheinlichkeit |
|---|---|---|---|
| Heimsieg | 2,10 | 47,62 % | 45,4 % |
| Unentschieden | 3,40 | 29,41 % | 28,1 % |
| Auswärtssieg | 3,60 | 27,78 % | 26,5 % |
| Summe | 104,81 % | 100 % |
Die Marge beträgt 4,81 Prozentpunkte, die Auszahlungsquote liegt bei 95,4 %. Statt 100 € fließen im Schnitt 95,40 € an die Wettenden zurück. Die Differenz bleibt beim Anbieter.
Faire Quote aus der Marge herausrechnen
Teilst du die einzelne Wahrscheinlichkeit durch die Summe, bekommst du die um die Marge bereinigte Wahrscheinlichkeit. Für den Heimsieg: 47,62 % ÷ 104,81 % = 45,4 %. Die faire Quote wäre damit 2,20 statt 2,10. Genau diese bereinigten Werte brauchst du, wenn du Quoten verschiedener Anbieter vergleichst oder nach Value Bets suchst.
Zweiweg-Märkte: Über/Unter, Handicap
Hier geht die Rechnung noch schneller. Bieten beide Seiten die Quote 1,90, ergibt 1 ÷ 1,90 + 1 ÷ 1,90 = 105,3 %. Die Marge liegt bei 5,3 %, die Auszahlungsquote bei 95 %. Weil dieser Wert im Alltag so häufig auftaucht, lohnt es sich, ihn als Richtschnur im Kopf zu haben: 1,90 / 1,90 ist der übliche Marktstandard, 1,95 / 1,95 ist deutlich besser (Marge 2,6 %), 1,85 / 1,85 ist teuer (Marge 8,1 %).
Wo die Marge stark schwankt
- Top-Ligen und Topspiele haben die niedrigsten Margen, weil viel Geld im Markt ist und der Wettbewerb zwischen den Anbietern hoch.
- Unterklassen und Nischensportarten sind meist deutlich teurer, oft im zweistelligen Bereich.
- Kombiwetten multiplizieren die Margen der einzelnen Beine. Vier Tipps mit je 5 % Marge ergeben eine Kombi, bei der der Anbieter rechnerisch rund 18 % einbehält. Mehr dazu in unserem Beitrag zu Kombiwetten.
- Livewetten haben häufig höhere Margen als Prematch-Märkte, weil der Anbieter das Risiko schnell wechselnder Informationen einpreist.
Was du aus der Rechnung mitnimmst
Die Marge ist der sicherste Verlustposten bei Sportwetten. Ein Anbieter mit durchschnittlich 5 % Marge verlangt bei 1.000 € Umsatz rechnerisch 50 € für seine Leistung, völlig unabhängig davon, ob du gewinnst oder verlierst. Wer dauerhaft im Plus landen will, muss diese Marge erst einmal ausgleichen. Deshalb gilt: Vor dem Einsatz die Quote in mindestens zwei, besser drei Anbietern vergleichen. Unseren aktuellen Quotenvergleich nutzen viele Leser genau dafür.