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Strategie & Analyse

Kelly-Kriterium bei Sportwetten: Einsatzhöhe berechnen, ohne die Bankroll zu riskieren

Redaktion germansoccer.netStand: 11. Oktober 20262 Min. Lesezeit

Die Frage, welchen Einsatz du wählen sollst, ist wichtiger als die Frage, auf wen du setzt. Das Kelly-Kriterium liefert dafür eine mathematische Antwort, die auch Anleger und Pokerspieler kennen. Richtig angewendet schützt es dich vor dem Ruin. Falsch angewendet wird es zum Brandbeschleuniger.

Holzschachfiguren auf einem Schachbrett

Die Formel

f = (b × p − q) ÷ b

  • b = Dezimalquote minus 1 (reiner Gewinn pro Euro Einsatz)
  • p = deine geschätzte Gewinnwahrscheinlichkeit
  • q = 1 − p
  • f = Anteil der Bankroll, den du einsetzt

Beispiel

Du siehst eine Quote von 2,10 auf einen Heimsieg und schätzt die Wahrscheinlichkeit auf 52 %. Dann ist b = 1,10, p = 0,52, q = 0,48.

f = (1,10 × 0,52 − 0,48) ÷ 1,10 = 0,092 ÷ 1,10 ≈ 8,4 % der Bankroll.

Bei 500 € Bankroll wären das rund 42 €. Das klingt viel, und es ist viel. Genau deshalb wird in der Praxis fast nie voll nach Kelly gesetzt.

Warum Bruchteil-Kelly

Die Formel ist nur so gut wie deine Wahrscheinlichkeitsschätzung. Die ist in der Realität stets unsicher. Siehe, was passiert, wenn du dich um vier Prozentpunkte irrst:

Tatsächliche WahrscheinlichkeitKelly-Einsatz bei Quote 2,10
52 %8,4 %
50 %4,5 %
48 %0,7 %
45 %negativ: kein Einsatz

Setzt du bei einer tatsächlichen Wahrscheinlichkeit von 48 % den Einsatz für 52 %, wettest du das Zwölffache des angemessenen Betrags. Darum verwenden viele Wettende nur einen Bruchteil: Halb-Kelly (4,2 % im Beispiel) oder Viertel-Kelly (2,1 %). Der erwartete Gewinn sinkt dabei weniger stark als die Schwankung.

Wo Kelly an Grenzen stößt

  • Ohne Vorteil kein Einsatz: Ist die Quote nicht höher als deine faire Quote, sagt die Formel null. Das ist kein Fehler, sondern genau ihr Zweck.
  • Mehrere Wetten gleichzeitig: Laufen mehrere Tipps parallel, summieren sich die Risiken. Teile den Wert entsprechend.
  • Limits: Anbieter begrenzen den Höchsteinsatz, die berechnete Summe lässt sich nicht immer platzieren.
  • Psychologie: Eine Serie von zehn Verlusten ist selbst bei Viertel-Kelly eine Belastung. Wer nach einer Serie das Konzept verlässt, hat nichts gewonnen.

Für den Einstieg reicht oft eine Festregel von 1 bis 2 % der Bankroll pro Wette, wie sie im Beitrag Money Management beschrieben ist. Kelly lohnt sich erst, wenn du deine Wahrscheinlichkeitsschätzungen über Monate geprüft hast, zum Beispiel mit dem Wett-Tagebuch.

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